Archiv für Mai 2018

Gedenkdemo: 25 Jahre Solinger Brandanschlag

Wir möchten an dieser Stelle auf die Gedenk-Demonstration am 26.5. in Solingen hinweisen. An diesem Tag versammeln wir uns anlässlich des 25. Jahrestages des Brandanschlags in Solingen, bei dem aus rassistischen Motiven fünf Menschen getötet wurden. Ein breites Bündnis linker und antirassistischer Gruppen veranstaltet daher am 26. Mai 2018 eine Gedenkdemonstration in Solingen-Mitte. Zu der Demo, die um 12.00 Uhr am Südpark startet, rufen auch zahlreiche Antifa-Gruppen und das Bündnis NIKA NRW auf. Hier findet ihr den NIKA-Aufruf: https://nationalismusistkeinealternative.net/25-jahre-solingen/

Wir hoffen, dass sich viele dieser Demonstration anschließen werden, um den Opfern des Rassismus zu gedenken und aktiv gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck einzutreten.

Für alle Interessierte bieten wir eine gemeinsame Anreise an. Der Treffpunkt ist um 9:45 am Haupteingang des Duisburger Hbf. Wir sehen uns dann!

Rede am 5.5. in Neumühl: Keine Grenzen für Kritik

An dieser Stelle möchten wir unsere Rede auf der antifaschistischen und feministischen Demonstration am 5.5.2018 in Duisburg-Neumühl veröffentlichen. Anlass für diese Rede war eine rassistische und antifeministische Demonstration von Pegida NRW und dem Bündnis „Mütter gegen Gewalt“ in Neumühl. Der Stadtteil kann eine Tradition rechter Mobilisierung vorweisen. Seit der Planung und Einrichtung der Landeserstaufnahmestelle in einem leerstehenden Krankenhaus in Neumühl, kam es immer wieder zu rechten Übergriffen, Kundgebungen und Demonstrationen, die sich eines hohen Zuspruchs der Neumühler*innen sicher sein konnten. Wir haben uns daher sehr über die Möglichkeit gefreut, unseren Gegenprotest in Neumühl auf die Straße tragen zu können. Verschiedene antifaschistische Aktionen der Vergangenheit haben gezeigt, wie empfindlich dort auf uns reagiert wird. Neben verschiedenen Redebeiträgen auf der Demo, die sich u.a. mit dem Antifeminismus und dem Phänomen der Maskulinisten auseinandersetzten, haben wir uns in unserer Rede für eine linke Kritik am Islam ausgesprochen:

Keine Grenzen für Kritik
In ihrer Geschichte war die europäische Linke schon immer begeistert von den Kämpfen ihrer Genoss*innen in der weiten Welt. Die westliche Linke der 68er beispielsweise unterstütze ihre „Genoss*innen“ gegen den Schah im Iran, gegen Militärdiktaturen in Südamerika oder gegen die Amis in Vietnam. Solidarität mit den „Unterdrückten“ war wichtig, ganz gleich wie krude die daraus entstandenen Allianzen waren.
Das hat sich gewandelt: Während Frauen in vielen Teilen der Welt gegen das islamische Patriachart kämpfen, schweigt der größte Teil der Linken in der BRD zum Islam. In Zeiten von Rechtsruck und AfD, haben viele Linke Angst, als Rassist*innen zu gelten, wenn sie sich nicht nur sporadisch mit christlichen „Fundis“ auseinandersetzen. Die Angst mit Pegida und AfD in einen Topf geworfen zu werden ist größer als der Anspruch sich gegen jede autoritäre Ideologie zu richten.
Schluss damit! Wir haben uns heute versammelt, um gegen das Patriarchat zu demonstrieren. Grenzenlos feministisch bedeutet für uns auch, unserer Kritik nicht aus falscher Scheu Grenzen zu setzen.

Linke Islamkritik unterscheidet sich fundamental von dem, was Pegida und Konsorten als solche bezeichnen. Sie ist Herrschaftskritik, denn Religionen sind, wie Marx es treffend formulierte, das Opium des Volkes. Sie wollen die unmenschlichen Verhältnisse, in denen wir leben, aushaltbar machen. Wir hingegen wollen sie ändern. Die Erfindung eines strengen Gottvaters im Islam ist Ausdruck des Bedürfnisses, sich zu unterwerfen und Verantwortung abzugeben, wie ihn autoritäre Charaktere zeigen. Der weibliche Körper und die Sexualität werden dabei besonders unterdrückt. Jede Abweichung von der Norm wird sanktioniert. Der Körper wird oft schon im Kindesalter sexualisiert und muss sich bedecken. Abweichungen von der Norm oder gar die Abkehr vom Islam hat in vielen Ländern lebensbedrohliche Konsequenzen. Dieser Barbarei sagen wir unseren Kampf an. Wer zur Unterdrückung von Frauen im Islam, zur Homophobie und Trans*feindlichkeit in muslimischen Ländern schweigt, macht die Opfer des Islams unsichtbar und verhöhnt die, die gegen ihn kämpfen. In vielen Teilen der Welt gehören Kopftuch- und Schleierzwang, Zwangsverheiratung, Steinigungen und Ehrenmorde zur Tagesordnung. Islamist*innen unterdrücken, ermorden und foltern dabei in allererster Linie vor allem die Menschen, die sie selbst für Muslima halten. Den Islam zu kritisieren bedeutet deshalb nicht rassistisch zu sein, sondern feministisch, antiautoritär und antifaschistisch. Es ist also nicht falsch den Islam zu kritisieren, sondern es nicht zu tun.

Warum rechte „Islamkritik“ zum Scheitern verurteilt ist:
Im öffentlichen Diskurs kommt „Kritik“ am Islam aber vor allem von rechts. Von Kritik im emanzipatorischen Sinne ist dabei allerdings nicht zu sprechen. Stattdessen werden rassistische Ressentiments propagiert und der gefährliche Islam einem vermeintlich demokratischen freien Abendland gegenübergestellt. Mit Begriffen wie Kultur wird versucht Rassismus zu verschleiern. Eine wirkliche Kritik an Homophobie, Sexismus, Antisemitismus und Autorität im Islam ist Rechten aber allein schon deshalb nicht möglich, weil ihre Schnittmenge zu fundamentalistischen Muslimen dafür viel zu groß ist.
Ähnlich wie im rechten Konzept der Volksgemeinschaft wird etwa auch im fundamentalistischen Islam Frauen vor allem die Verantwortung für den Erhalt und die Ausweitung der Umma zugesprochen.
Die Opfer der Unterdrückung im Islam sind in aller Regel nicht die, die sich vom ihm in Deutschland am stärksten bedroht fühlen. Verfolgt werden nicht die Mütter gegen Gewalt oder Pegida, sondern Muslima und Muslime. Der Islam stellt nicht selten direkt oder indirekt den Grund für die lebensgefährliche Flucht vieler Menschen dar. Grenzenlos feministisch bedeutet für uns deshalb auch, weiterhin für offene Grenzen zu demonstrieren.
Aber nicht nur die Opfer, auch die stärksten Gegner*innen des Islams sind die Menschen in muslimisch geprägten Regionen selbst. Grenzenlos feministisch zu sein bedeutete deshalb auch, sich solidarisch mit den Frauen zu zeigen, die gegen den IS kämpfen oder dem islamfaschistischen Regime im Iran die Stirn bieten.

Was zu tun ist:
Grade denen, die an scheinbar aussichtsloser Front gegen Faschismus und Patriachart kämpfen, schulden wir eine konsequente Auseinandersetzung mit der islamischen Ideologie. Während die Rechten ihren kulturellen Rassismus verstecken, in dem sie „christlich-abendländische“ Werte dem Islam gegenüberstellen und behaupten, er passe deswegen nicht hier hin, müssen wir Linke diese angebliche Kritik entzaubern. Als Kommunist*innen müssen wir klarmachen, dass weder das Christentum noch der Islam mit unserem Bild einer emanzipatorischen Gesellschaft vereinbar ist. Wir stehen an der Seite der säkularen Muslim*innen, der Ungläubigen und der Hedonist*innen.

Für eine befreite Gesellschaft! Für das Selbstbestimmungsrecht aller Frauen! Ohne patriarchale Zurichtung und ohne Rassismus!